Unterwaldner, unser Magazin

Warum bauen Sie nicht einfach nur die Beschneiung und verzichten auf den Sessellift? Walti Odermatt: Beschneiung und Sessellift bedingen sich gegenseitig. Schneesicherheit allein reicht nicht aus, wenn das Skigebiet aus Gästeperspektive in zwei getrennte Teilgebiete zerfällt – das ist heute der Fall. Umgekehrt nützt ein neuer Sessellift wenig, wenn am Saisonstart kein Schnee liegt. Wer das Wintergeschäft nachhaltig sichern will, muss beide Probleme lösen. Der Sessellift ist zudem ein wichtiger Baustein für die Sommernutzung und damit für die Auslastung über das ganze Jahr. Das Fremdkapital steigt auf CHF 18 Millionen– das kann die BBE AG doch nie zurückzahlen! Alfred Bossard: Die BBE AG hat in den letzten sechs Jahren bewiesen, dass sie Schulden systematisch abbaut: Die Verbindlichkeiten gegenüber der öffentlichen Hand wurden von CHF 6.7 Millionen auf CHF 1.5 Millionen abgebaut – ein Abbau von über 77 Prozent in sechs Jahren. Das neue Fremdkapital für die Investitionen wird gemäss unserer Finanzplanung von CHF 18 Millionen im Jahr 2028 auf CHF 3 Millionen im Jahr 2043 abgebaut – ein klar durchfinanzierter und realistischer Plan über 15 Jahre. Warum soll die öffentliche Hand via NRP- Gelder Millionen zinslos beisteuern? Alfred Bossard: NRP steht für Neue Regionalpolitik des Bundes – ein Bundesinstrument, das gezielt für Infrastrukturprojekte in Bergregionen geschaffen wurde. Die Klewenalp-Stockhütte ist als einziges Skigebiet, welches sich vollständig im Kanton Nidwalden befindet, genau jenes Projekt, für das diese Gelder bestimmt sind. Arbeitsplätze, Wertschöpfung, Tourismus – all das ist das erklärte Ziel der NRP. Der Kanton wird über die Volkswirtschaftsdirektion aktiv einbezogen. Eine Aktienkapitalerhöhung verwässert die bestehenden Aktionäre. Ist das fair? Alfred Bossard: Die Aktienkapitalerhöhung ist im genehmigten Kapitalband der Gesellschaft vorgesehen: 11 625 neue Aktien à CHF 250 ergeben CHF 2 906 250, dazu kommen bestehende eigene Aktien der Gesellschaft. Alle bestehenden Aktionäre haben das Bezugsrecht und können bei der Kapitalerhöhung proportional mitziehen. Der interne Wert pro Aktie beträgt rd. CHF 260. Somit findet für die bestehenden Aktionäre praktisch keine Verwässerung statt. Neue Aktionäre erhalten Aktien zum Nominalwert und damit eine Beteiligung an einer wachsenden Infrastruktur. An wen will die BBE AG alles herantreten? Alfred Bossard: Wir haben eine strukturierte Kontaktliste. Im Wesentlichen sind das die bestehenden Aktionäre, Kanton, Nachbargemeinden, Unternehmen, Private und Verbände. Der Lead für jeden Kontakt ist klar geregelt. Es gibt keine unkoordinierte Ansprache. Die BBE AG ist schon einmal in Konkurs gegangen – 1990. Warum sollten wir dieses Mal vertrauen? Alfred Bossard: Der Konkurs von 1990 liegt 36 Jahre zurück und hatte eine andere Ausgangslage. Seitdem hat sich die Unternehmung sukzessive und positiv weiterentwickelt. Die Eigenkapitalquote ist von unter 50% auf über 70% gestiegen. Die Schulden gegenüber der öffentlichen Hand wurden von CHF 6.7 Millionen auf CHF 1.5 Millionen abgebaut. Der EBITDA der letzten Jahre ist bei guten Schnee- und Wetterverhältnissen solide und das Management ist professionell, stabil und erfahren. Mit der technischen Beschneiung werden die Ergebnisse in Zukunft weniger grossen Schwankungen unterworfen sein. Was ist das Worst-Case-Szenario, wenn das Projekt scheitert? Alfred Bossard: Ohne Beschneiung ist die BBE AG in schneearmen Wintern wirtschaftlich gefährdet. Wie z.B. die Winter 2019/20 und 2020/21 zeigen, können Schneemangel Millionenausfälle bedeuten. Mittelfristig gefährdet das die Liquidität und letztlich die Existenz der wichtigsten Familienausflugs-Destination des Kanton Nidwaldens. Das bedeutet Verlust von Arbeitsplätzen und das Sterben einer regionalen Infrastruktur, die seit 1932 besteht.

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